KMU-Finanzierung über Crowdlending
Für kleine und mittlere Unternehmen ist Crowdlending eine Alternative zum Bankkredit — besonders dort, wo Banken bei kleineren Beträgen oder ohne Sicherheiten zurückhaltend sind.
Kurz gesagt
- KMU nutzen Crowdlending für Betriebsmittel, Investitionen, Wachstum, Umschuldung oder saisonale Überbrückung — vor allem dort, wo Bankkredite über wenige zehntausend Franken für Banken kaum lohnenswert sind.
- Voraussetzungen sind Sitz in der Schweiz, Handelsregistereintrag, eine gewisse Geschäftshistorie mit nachvollziehbaren Zahlen und Tragbarkeit aus dem laufenden Geschäft.
- KMU-Kredite fallen nicht unter das Konsumkreditgesetz: Kein gesetzlicher Höchstzinssatz, keine vorgeschriebene Kreditfähigkeitsprüfung, kein Widerrufsrecht — die Konditionen sind Verhandlungssache mit der Plattform.
- Die Kosten setzen sich aus dem Zins an die Anlegerinnen und einer Plattformgebühr zusammen; vergleichbar ist die Gesamtbelastung über die Laufzeit, nicht der Zins allein.
- Seit Anfang 2025 macht Basel III Final risikoreichere Firmenkredite für Banken teurer, was laut IFZ der Hochschule Luzern das Wachstum im Immobilien-Crowdlending 2025 antreibt.
Wofür KMU Crowdlending nutzen
Die typischen Verwendungszwecke unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen eines Bankkredits: Betriebsmittel und Working Capital, Investitionen in Maschinen oder Einrichtung, Wachstumsfinanzierung, die Ablösung bestehender Kredite (Umschuldung) oder die Überbrückung saisonaler Schwankungen.
Der Unterschied liegt weniger im Zweck als im Zugang. Ein Kredit über wenige zehntausend Franken ist für eine Bank oft mit einem Aufwand verbunden, der sich für sie kaum lohnt. Genau in dieser Lücke sind Crowdlending-Plattformen entstanden.
Der Ablauf
Gesuch mit Unterlagen
Das Unternehmen reicht ein Finanzierungsgesuch ein — mit Jahresabschlüssen, Handelsregisterdaten und Angaben zum Verwendungszweck. Je nach Höhe kommen Zwischenabschlüsse, Debitorenlisten oder eine Planrechnung dazu.
Prüfung und Rating
Die Plattform prüft die Bonität des Unternehmens und stuft es in eineRisikoklasse ein. Daraus ergibt sich der Zinssatz. Anders als beim Privatkredit gibt es hier keinen gesetzlich vorgeschriebenen Massstab — jede Plattform verwendet ihr eigenes Ratingsystem.
Veröffentlichung und Finanzierung
Das geprüfte Gesuch wird für Anlegerinnen und Anleger sichtbar. Sie beteiligen sich mit Teilbeträgen, bis die Summe zusammen ist. Diese Phase dauert je nach Plattform Tage bis Wochen.
Auszahlung und Rückzahlung
Kommt die Finanzierung zustande, wird der Betrag ausbezahlt. Die Rückzahlung erfolgt nach vereinbartem Plan — als Ratenkredit mit laufender Amortisation oder als endfälliges Darlehen, bei dem das Kapital erst am Ende zurückfliesst.
Ein Vorteil gegenüber dem klassischen Bankweg ist das Tempo: Viele Plattformen geben innerhalb weniger Tage eine erste Rückmeldung. Der Preis dafür ist die Finanzierungsungewissheit — der Kredit kommt nur zustande, wenn sich genügend Anlegerinnen und Anleger finden.
Voraussetzungen
Die Anforderungen variieren je Plattform, doch einige Punkte kehren wieder:
- Sitz in der Schweiz und ein Eintrag im Handelsregister.
- Eine gewisse Geschäftshistorie. Viele Plattformen verlangen mehrere abgeschlossene Geschäftsjahre — reine Start-ups ohne Zahlen haben es schwer, weil sich ihre Bonität nicht beurteilen lässt.
- Nachvollziehbare Zahlen. Aussagekräftige Abschlüsse sind die Grundlage der Prüfung. Wer sauber Buch führt, hat es leichter.
- Tragbarkeit. Die Rückzahlung muss aus dem laufenden Geschäft leistbar sein. Das prüft die Plattform, auch ohne gesetzliche Vorgabe — im eigenen Interesse und im Interesse der Anlegenden.
Kosten
Für das Unternehmen setzen sich die Kosten aus zwei Teilen zusammen: demZins, der an die Anlegerinnen und Anleger fliesst, und einer Gebühr der Plattform für Vermittlung und Abwicklung. Die Gebühr wird oft als einmaliger Prozentsatz des Kreditbetrags erhoben, teils auch laufend.
Ein sinnvoller Vergleichswert ist deshalb nicht der Zins allein, sondern die Gesamtbelastung über die Laufzeit — analog zum effektiven Jahreszins beimKonsumkredit. Konkrete Sätze nennen wir hier bewusst nicht: Sie hängen von Bonität, Laufzeit und Plattform ab und ändern sich laufend. Massgebend ist immer die Offerte der jeweiligen Plattform.
Wichtig: KMU-Kredite fallen nicht unter dasKonsumkreditgesetz. DieKreditfähigkeitsprüfung, der gesetzliche Höchstzinssatz und das Widerrufsrecht gelten für Privatpersonen, nicht für Unternehmen. Bei einer Geschäftsfinanzierung gibt es diesen gesetzlichen Schutzrahmen nicht — die Konditionen sind Verhandlungssache zwischen Unternehmen und Plattform. Umso wichtiger ist es, das Angebot genau zu lesen.
Warum sich gerade jetzt etwas bewegt
Seit Anfang 2025 wirkt ein regulatorischer Faktor zugunsten alternativer Anbieter. Mit Basel III Final müssen Banken für risikoreichere Finanzierungen mehr Eigenmittel unterlegen, was diese Kredite für sie teurer macht. Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern nennt genau diesen Effekt als wesentlichen Treiber für das Wachstum im Immobilien-Crowdlending 2025.
Für KMU bedeutet das nicht, dass Plattformen grundsätzlich günstiger wären — sondern dass sich die Zahl der ernstzunehmenden Adressen erhöht hat. Beide Wege parallel zu prüfen, kostet wenig und schafft eine Vergleichsbasis. Mehr dazu unterCrowdlending oder Bankkredit?
Quelle: Crowdfunding Monitor Schweiz 2026, IFZ der Hochschule Luzern.
Welche Plattform für KMU?
Nicht jede Plattform vermittelt Firmenkredite, und die, die es tun, haben unterschiedliche Schwerpunkte — manche auf reine Betriebskredite, andere auf immobilienbesicherte Finanzierungen. Welche Anbieter in der Schweiz aktiv sind, mit welchen Kreditarten und welcher Aufsicht, steht in derPlattform-Übersicht. Dort ist auch vermerkt, welche Plattformen es nicht mehr gibt — eine Information, die bei einer längerfristigen Finanzierungsbeziehung durchaus zählt.
Diese Darstellung dient der Information und ersetzt keine Finanz- oder Rechtsberatung. Massgebend sind die Angebote und Bedingungen der jeweiligen Plattform.
Häufige Fragen
- Wofür können KMU Crowdlending nutzen?
- Für dieselben Zwecke wie einen Bankkredit: Betriebsmittel und Working Capital, Investitionen in Maschinen oder Einrichtung, Wachstumsfinanzierung, Umschuldung oder die Überbrückung saisonaler Schwankungen.
- Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen für einen Crowdlending-Kredit erfüllen?
- In der Regel Sitz in der Schweiz mit Handelsregistereintrag, eine gewisse Geschäftshistorie mit mehreren abgeschlossenen Geschäftsjahren, nachvollziehbare Abschlüsse und eine aus dem laufenden Geschäft leistbare Rückzahlung.
- Gilt das Konsumkreditgesetz auch für KMU-Kredite?
- Nein. Die Kreditfähigkeitsprüfung, der gesetzliche Höchstzinssatz und das Widerrufsrecht gelten nur für Privatpersonen. Bei einer Geschäftsfinanzierung gibt es diesen gesetzlichen Schutzrahmen nicht, die Konditionen sind Verhandlungssache zwischen Unternehmen und Plattform.
- Woran lassen sich die Kosten eines KMU-Kredits über Crowdlending am besten vergleichen?
- An der Gesamtbelastung über die Laufzeit — analog zum effektiven Jahreszins beim Konsumkredit —, nicht am Zins allein, da zusätzlich eine Plattformgebühr für Vermittlung und Abwicklung anfällt.