Was ist Crowdlending?
Beim Crowdlending — auch Peer-to-Peer-Lending oder P2P-Kredit genannt — leihen mehrere Personen gemeinsam einer Privatperson oder einem Unternehmen Geld. Statt dass eine Bank den gesamten Kredit vergibt und das Risiko allein trägt, teilen sich viele Anlegerinnen und Anleger sowohl den Betrag als auch das Risiko.
Vermittelt wird das über eine Plattform. Sie prüft die Kreditgesuche, bewertet die Bonität, stellt die Verbindung zwischen beiden Seiten her und wickelt Auszahlung und Rückzahlung ab.
Wie ein Kredit zustande kommt
- Gesuch einreichen. Wer einen Kredit möchte, stellt ein Gesuch mit Angaben zu Betrag, Verwendungszweck und finanzieller Situation.
- Prüfung durch die Plattform. Die Plattform prüft Identität, Bonität und Kreditfähigkeit. Daraus ergibt sich eine Risikoeinstufung, die wiederum den Zinssatz bestimmt.
- Finanzierung durch Anleger. Das geprüfte Gesuch wird auf der Plattform veröffentlicht. Anlegerinnen und Anleger beteiligen sich mit Teilbeträgen, bis die Summe zusammen ist.
- Auszahlung und Rückzahlung. Der Kredit wird ausbezahlt und in der Regel monatlich mit Zins und Amortisation zurückbezahlt. Die Plattform verteilt die eingehenden Zahlungen anteilig an die Beteiligten.
Was Anlegerinnen und Anleger davon haben
Der mögliche Ertrag liegt über dem eines Sparkontos. Dem steht ein reales Verlustrisiko gegenüber: Wird ein Kredit nicht bedient, ist das eingesetzte Geld ganz oder teilweise verloren. Anders als Bankeinlagen ist eine Crowdlending-Anlage nicht durch die Einlagensicherung geschützt.
Deshalb gilt als Grundregel, den Anlagebetrag auf viele Kredite zu verteilen statt auf wenige grosse Beträge zu setzen. Fällt bei breiter Streuung ein Kredit aus, trifft das nur einen kleinen Teil des Portfolios.
Crowdlending ist eine Anlage mit Verlustrisiko, kein Sparprodukt. Wer investiert, sollte nur Geld einsetzen, dessen Ausfall er verkraften kann.
Was Kreditnehmende davon haben
Für Kreditnehmende ist Crowdlending eine Alternative zum Bankkredit — mit einem oft schlankeren Ablauf und einer Preisgestaltung, die sich an der individuellen Bonität orientiert. Wer eine gute Bonität mitbringt, kann günstiger fahren als mit einem Standardangebot.
Die gesetzlichen Anforderungen gelten dabei unverändert. Bei Konsumkrediten greift in der Schweiz das Konsumkreditgesetz (KKG) mit der vorgeschriebenen Kreditfähigkeitsprüfung, den Pflichtangaben im Vertrag und dem Widerrufsrecht.
Und die Risiken?
- Ausfallrisiko: Der Kreditnehmer kann nicht mehr zahlen.
- Liquiditätsrisiko: Das Geld ist bis zum Ende der Laufzeit gebunden. Manche Plattformen bieten einen Zweitmarkt an, ein Verkauf ist dort aber nicht garantiert.
- Plattformrisiko: Gerät die Plattform selbst in Schwierigkeiten, stellt sich die Frage, wer die Kredite weiter verwaltet.
Diese drei Punkte gehören zu jeder Anlageentscheidung dazu — unabhängig davon, wie attraktiv der beworbene Zinssatz aussieht.